27 Nov 2012

Finanzierung von Unternehmen – Grundsätzliches

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Mit dem heutigen Artikel wollen wir ein kurzes Summary zum Thema Finanzierung geben. Mit unseren Dienstleistungen helfen wir unseren Kunden vor allem bei der Akquisition von Fremdmitteln von außen. Was das bedeutet, sollte ist nach der Lektüre des folgenden Artikels sicherlich verständlich.

Grundsätzliches

Ein Ziel der Finanzierung ist die Aufrechterhaltung der Liquidität. Um dieses Ziel erreichen zu können müssen Regeln beachtet werden, die einem Kapitalentzug vor dem entsprechenden Desinvestitionsprozess vorbeugen. Die Goldene Finanzierungsregel fordert die Einhaltung des Grundsatzes der Fristenkongruenz. Das bedeutet, dass Kapitalüberlassungsdauer und Kapitalbindungsdauer übereinstimmen sollten. Gerade in der Planungsphase ist es noch möglich dieses Ziel einzuhalten, da diese Regel für jedes Vermögensteil gefordert aber eine Zurechnung später schwierig wird.[1] Ebenfalls auf die Aufrechterhaltung der Liquidität ausgereichtet ist die Goldene Bilanzregel. Es wird in diesem Zusammenhang davon ausgegangen, dass die Zuordnung von AV bzw. UV zur langfristigen bzw. kurzfristigen Kapitalbindung möglich ist. Das Anlagevermögen soll in diesem Sinne durch EK, das Umlaufvermögen durch FK gedeckt werden.[2]

Eigen- vs. Fremdfinanzierung

Nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber und der Kapitalhaftung lassen sich Eigen- und Fremdfinanzierung unterschieden. Eigenfinanzierung ist die Zuführung zum und Erhöhung des Eigenkapitals, z.B. durch Einlagen des Unternehmenseigners oder Gewinneinbehaltung. Eigenkapital besitzt eine besondere Rolle, denn es ist mit Risiko verknüpft und dient als Haftungsmasse für Verbindlichkeiten der Unternehmung. Bei entsprechender Ausstattung mit EK kann dieses andererseits als Sicherheit die Fremdfinanzierung erleichtern. Diejenigen Personen, die sich mit EK an einer Unternehmung beteiligen sind für gewöhnlich auch zur Partizipation an der Geschäftsführung (Mitsprache- Stimm-, und Kontrollrecht) und entsprechend an der Erfolgsbeteiligung berechtigt. Fremdkapital haftet dagegen nicht für Verpflichtungen der Unternehmung. Es steht zudem nur zeitlich befristet zur Verfügung. Mezzanine-Kapital wird zwischen Eigen- und Fremdkapital eingeordnet. Es werden hierunter eigenkapitalähnliche Finanzierungsinstrumente, die sowohl eigen- als auch fremdkapitalähnliche Charakteristika beinhalten, subsumiert. Wesentliche finanzwirtschaftliche Merkmale sind:[3]

Eigenkapital

Mezzanine

Fremdkapital

Haftung zumindest in Höhe der Einlage; (Mit-) Eigentümerschaft im Ausmaß des gewandelten Anspruchs (Wandeldarlehen) keine; Gläubigerstellung
Erfolgsbeteiligung voll an Gewinn und Verlust erfolgsabhängige Verzinsungsanteile i.d.R. fester Zinsanspruch, kein GuV-Anteil
Vermögensanspruch grs. nach Quote Ja; Equity Kicker (Option auf Anteile) Rückanspruch in Höhe der Gläubiger-Forderung
Geschäftsführung i.d.R. berechtigt Stimm- und Kontrollrechte möglich grundsätzlich ausgeschlossen
zeitliche Verfügbarkeit i.d.R. unbegrenzt befristetes Eigenkapital i.d.R. terminiert
steuerliche Belastung Gewinn voll belastet mit ESt, KSt, GewSt variiert nach Rechtsform Zinsen absetzbar Zinsen bei Unternehmung als Aufwand steuerlich absetzbar
Kapazität durch private Vermögenslage der Unternehmer determiniert grs. unbegrenzt unbeschränkt, vom Vorliegen von Sicherheiten abhängig

Abbildung 1 – Wesentliche finanzwirtschaftliche Unterscheidungsmerkmale von Eigen-, Mezzanine- und Fremdkapital

Innen- vs. Außenfinanzierung

Nach dem Kriterium der Mittelherkunft aus Sicht der Unternehmung werden Innen- und Außenfinanzierung unterschieden. Bei der Außenfinanzierung erfolgt die Zuführung von Kapital durch Einlagen der Unternehmenseigner, Beteiligungen von Gesellschaftern oder Kreditkapitel von Gläubigern. Auch staatliche Subvention zählen zur Außenfinanzierung. Innenfinanzierung resultiert aus betrieblichen Desinvestitionen (Freisetzung liquider Mittel). Das sind zusätzliche Kapitalbindungen (Bilanzverlängerungen) oder die Schaffung disponiblen Kapitals durch Umschichtungen bzw. Aktivtausch. In Kombination mit der Unterteilung nach Kapitalgeber und der Kapitalhaftung entsteht folgende Matrix:[4]

Außenfinanzierung

Innenfinanzierung

Eigenfinanzierung

Beteiligungsfinanzierung (z.B. Venture Capital)

Selbstfinanzierung (z.B. Einbehaltene Gewinne)

Fremdfinanzierung

Kreditfinanzierung (z.B. Bankenkredit)

Finanzierung aus Rückstellungen

Abbildung 2 – Finanzierungsmatrix nach den Kriterien Kaptalgeber/ Haftung und Mittelherkunft aus Sicht des Unternehmens

(Quellen: Wöhe (Günter), »Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre«, 23., vollständig neu bearbeitete Auflage, München 2008;  Perridon (Louis) / Steiner (Manfred), »Finanzwirtschaft der Unternehmung«, 14., überarbeitete und erweiterte Auflage, München 2007; Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie [Hrsg.], [Gründungs-/ Wachstumsfinanzierung], »Gründungs- und Wachstumsfinanzierung – Begleitbroschüre zum eTraining „Gründungs- und Wachstumsfinanzierung“«, überarbeitete Auflage, Berlin 2008; Petersen (Uwe), »Finanzbedarfs- und Finanzierungsplanung«, erschienen in: Dieterle (Willi K. M.) / Winckler (Eike M.) [Hrsg.], »Gründungsplanung und -finanzierung: Voraussetzungen für den Gründungserfolg«, 3., völlig überarbeitete Auflage, München 2000.)
(Suchwörter zu diesem Artikel: Finanzierung, Factoring, Forderungsausfall, Kreditversicherung, Warenkreditversicherung, echtes Factoring, unechtes Factoring, stilles Factoring, Factoring Makler, Forfaitierung)


[1] Vgl. Perridon/ Steiner, (2007), S. 543-545.

[2] Vgl. Perridon/ Steiner, (2007), S. 543.

[3] Vgl. Perridon/ Steiner, (2007), S. 347-349.

[4] Vgl. Perridon/ Steiner, (2007), S. 349-351.

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